Sonntag, 23. März 2014

Sonntagstratsch // Über Blogger-Kooperationen und Showroom-Hopping

Im heutigen Sonntagstratsch soll es um Blogger-Kooperationen und das Rennen von Showroom zu Showroom, um sich neue Kollektionen anzusehen gehen. Auf die Idee hat mich Angela von The3rdvoice mit ihrem Post letzte Woche gebracht und das Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln...



...Was kannst/darfst/musst du als Blogger machen, beziehungsweise mit dir machen lassen? 
Aber fangen wir von vorne an: Wer mit dem Bloggen anfängt und wenig Leser hat, freut sich meist wie ein kleines Kind, wenn die erste Kooperationsanfrage per Mail angeflattert kommt. Niemals würde man da nein sagen, natürlich stellt man das unfassbar hässliche Tshirt, das man dafür behalten darf auf seinem Blog vor. Dieses Hochgefühl, wenn man das erste Mal Klamotten umsonst bekommt, ist mit kaum etwas zu vergleichen und jeder Modeblogger wird uns das nachempfinden können. Mit der Zeit gerät man aber ins Grübeln. Soll man wirklich alles annehmen und auf gut Deutsch jeden Mist auf seinem Blog vorstellen? Schließlich ist der Blog ja ein Ausdruck des persönlichen Stils und persönlichem Stil entspricht das ja nicht wirklich, wenn man einfach alles vorstellt. 
Noch besser wird's dann, wenn die ersten Einladungen von PR Agenturen und Showrooms eintrudeln. Ob man vorbei kommen möchte und sich bei Kaffee und Gebäck die neue Kollektion ansehen will. Klar will man das. Also fährt man von PR Agentur zu PR Agentur, fotografiert, filmt, probiert an und bekommt nach ca der Hälfte der Besuche am Ende die heißersehnte Goodiebag mit unfassbar wertvollem und nützlichem Inhalt. Nicht. 
Wir hatten erst kürzlich direkt nacheinander zwei Erlebnisse, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir hatten Termine bei zwei PR Agenturen, bei der ersten waren wir noch gar nicht, mit der zweiten hatten wir schon zusammen gearbeitet.
In der ersten Agentur wurden wir wahnsinnig freundlich empfangen, es wurde sich trotz Stress und Kollektionswechsel Zeit für uns genommen und wir hatten das Gefühl, dass man sich ernsthaft für uns und das was wir tun interessiert. Die Kollektionen wurde uns genau erklärt und wir haben auch die kleinen Geschichten erfahren, die hinter so manchem Kleidungsstück stecken, was wir unglaublich toll finden. Das ist auch eigentlich das, was wir machen wollen und warum wir das alles hier machen. Wir möchten Kleidung vorstellen hinter der etwas steckt und zu der es was zu erzählen gibt. "Ich trage eine Hose von Zara" und Punkt ist nämlich eigentlich nicht sonderlich spektakulär. 
Direkt im Anschluss waren wir bei einer zweiten Agentur. Eine Agentur, bei der wir uns Sachen zum fotografieren ausgeliehen hatten, sprich wir haben kostenlos Werbung für das Label gemacht und durften die Klamotten auch nicht behalten. Uns wurde aber gesagt, dass zum Kollektionswechsel (der genau jetzt ist) durchaus die Chance besteht, dass wir ein paar Teile haben dürfen und somit sind wir da zwar nicht mit der Erwartung aber durchaus mit der Hoffnung hingegangen, dass den PR Leuten unsere Bilder so gut gefallen haben, dass wir vielleicht jeder ein Teil behalten dürfen. Vor Ort wurde uns aber tatsächlich nur die Tüte aus der Hand genommen und das wars. "Tschüss, schönen Tag noch." Auf unsere Fragen, ob ihnen unsere Posts denn gefallen hätten, kam nur "Weiss ich nicht, das macht die andere und die ist gerade in einem Meeting." Von besagter anderen Mitarbeiterin haben wir übrigens auf keine Mail eine Antwort bekommen, denn wir haben nach den Posts durchaus Bescheid gesagt, dass diese jetzt online sind. Unser Fazit: Sowas machen wir nicht mehr. Das ist tatsächlich ausbeuten, wenn sich die Leute nicht mal unsere Fotos anschauen und wir auch kein Danke und gar nichts für unsere Mühen bekommen.
Wir geben Angela somit in den meisten Punkten Recht, würden aber ganz gerne noch unsere Meinung als "kleine Fashionblogger" dazu beisteuern. Uns ist klar, dass jemand der knapp 10000 Blogleser hat, es sich einfach leisten kann, Forderungen zu stellen. Wenn wir so erfolgreich wären, würden wir sicherlich auch nichts mehr umsonst machen und nicht in irgendwelche Showrooms rennen. 
Aber was darf man sich als kleiner Blogger herausnehmen? Wie frech darf man werden? Firmen werden jedenfalls gerne mal frech, uns wurde auch schon eine Kooperation angeboten mit der Einschränkung, dass wir sie nur auf Instagram posten dürfen, da haben wir genug Follower. Der Blog selbst habe zu wenig Leser, als dass die Firma dort auftauchen möchte. Bei sowas können wir nur noch mit dem Kopf schütteln. 
Ja, unser Blog hat keine 10000 Leser. Nichts desto Trotz steckt hier unfassbar viel Arbeit drin und wir sind uns sicher, das sieht man auch. Wir haben vielleicht nicht die Reichweite, die so manch anderer Blogger hat, gehören aber auch nicht mehr zu den allerkleinsten Modeblogs. Die Sachen die wir ablichten, lichten wir ordentlich ab. Jede Firma mit der wir kooperieren, kann sich sicher sein, dass wir das Produkt professionell und gut in Szene setzen. 
Für alle die es interessiert, haben wir hier mal eine kurze Auflistung wie viel Zeit wir in unseren Blog stecken:


Outfit Shooting:

Haare/Make up: ca 1,5 Stunden 
Weg zur Shooting Location: 10-30 Minuten
Shooting selbst, bei dem von jedem von uns ein Outfit abgelichtet wird: 2 Stunden
Weg zurück: 10-30 Minuten
Bildersichtung und Bildbearbeitung: ca 4 Stunden
Erstellen der Blogposts: 1 Stunde


Macht ça 8-9 Stunden Arbeit für zwei Outfit Blogposts. Und das ist tatsächlich nicht übertrieben. Beteiligt sind daran wir beide, plus noch jemand zum Reflektor halten und den Hund bespaßen (meist Anjas Schwester).  

Noch besser wird's, wenn wir auf Events waren und ein Video dazu hochladen wollen. Allein bis das Video fertig ist, sitzen wir da zwischen 3-6 Stunden dran, je nach Menge des Ausgangsmaterials und Länge des Endvideos. Ihr seht also: Wir stecken in all das sehr viel Zeit und Energie.
Wir denken trotzdem, dass man bei sowas immer unterscheiden muss. Ein großer Blogger ist keineswegs unverschämt, wenn er für eine Kooperation auch mit Geld und nicht mit Klamotten bezahlt werden will. Er will schlicht und einfach für seine Arbeit bezahlt werden, ein Maurer oder Elektriker arbeitet ja auch nicht umsonst. 
Wir kleineren Blogger haben es da schwerer, denn wir werden tatsächlich ausgelacht, wenn wir solche Forderungen stellen. Eine Grenze, ab wie vielen Lesern man sich so etwas erlauben darf, gibt es nicht wirklich und wahrscheinlich ist das auch gut so. 
Uns persönlich ist es wichtig, nicht jeden Mist zu machen. Wir wollen uns selbst treu bleiben und Qualität geht eben doch vor Quantität. Wir haben für uns persönlich beschlossen, dass wir nur noch Kooperationen eingehen werden, von denen wir wirklich überzeugt sind. Wir wollen euch mit unseren Bildern uns Texten Geschichten erzählen und wir wollen euch Sachen zeigen, die etwas zu erzählen haben. Und klar werden wir euch auch unsere selbst gekauften Zara Outfits zeigen, denn die tragen wir als Studenten mit begrenztem Budget natürlich auch. Aber insgeheim sind auch wir immer auf der Suche nach dem Besonderen und das können einem solche Kooperationen eben ermöglichen wenns der eigene Geldbeutel manchmal nicht zulässt. Wir werden uns also auch weiterhin mit Klamotten bezahlen lassen, wenn diese besonders sind und auch wir gehen zu Kollektionspräsentationen bei denen es nicht mal eine Goodiebag gibt. Warum? Weil es uns Spaß macht. Weil wir Mode wirklich lieben und uns gerne jeden Tag neu verlieben und weil wir uns gerne durch Designerklamotten wühlen. Und das ist neben all der Arbeit und all dem Ernst doch immer noch das Wichtigste. Trotzdem wollen auch wir ernstgenommen werden, denn das was wir hier machen ist auch Arbeit und die machen wir soweit wir das mitbekommen haben ziemlich gut. Wir hoffen, dass Agenturen und Firmen und vor allem ihr Leser das auch in Zukunft zu schätzen wisst, denn uns bereitet das, was wir machen wirklich unglaublich viel Freude. 



Kommentare:

  1. Sehr schöner Beitrag! Hab ich gerne gelesen:)

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  2. Ich kann euch da wirklich zustimmen. Man ist rund um die Uhr in Gedanken bei dem Blog und steckt so viel Arbeit rein, dass man doch wenigstens ordentlich dafür entlohnt werden möchte. Mitunter merkt man wirklich den fehlenden Respekt, nach dem Motto, "Du bist doch nur einer von vielen kleinen Modebloggern, wer bist du schon?!" Die PR-Agenturen werden, spätestens wenn ihr dann die besagten 10 000 Leser haben bereuen euch so behandelt zu haben ;)

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  3. erst einmal vielen vielen Dank ♥ das freut mich unheimlich, dass euch mein Blog so sehr zusagt!

    zu diesem wundervollen post: beim Bloggen muss man einfach auch zu dem stehen wer man ist und sein Ding durchziehen. sonst verrät man sich ja schließlich selbst, wenn man nur noch Sachen auf dem Blog präsentiert, die einen eig. gar nicht zusagen oder gar widerspiegeln :) und es ist umso mehr schade, wenn dann die eigene Arbeit nicht wertgeschätzt wird :/

    Ganz liebe Grüße!

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  4. Wirklich ein toller und informativer Post!
    Leiben Gruß
    Isabella
    Glam-of-life.blogspot.com

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